Selbsthilfe Organtransplantierter NRW

Die Homepage für Organtransplantierte, VAD und Wartepatienten sowie deren Angehörige


 Organspende und Transplantation 

Was ist das eigentlich?

Organspende und Transplantationen sind in den Medien ein weitverbreitetes Thema. Das dabei oft Geschichten und Gerüchte entstehen, liegt klar auf der Hand.

Wir möchten Ihnen die Organspende und die Transplantation näher bringen, um so Missverständnisse wegzuräumen und vielleicht auch die ein oder andere Frage zu beantworten.

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Die Geschichte:

Seit dem frühen 20. Jahrhundert wird die Organtransplantation als Behandlungsmethode anerkannt.

Die erste erfolgreiche Transplantation war 1954 eine Niere. Darauf folgte dann 1963 die erste Lunge und die erste Leber. Daraufhin kam 1965 die erste Bauchspeicheldrüse und zuletzt die Herztransplantation 1967.

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Das Problem der Abstoßung:

Der Körper kann aufgrund eines HLA - Systems d.h. Human Leukocyte Antigen, eigenes und fremdes Gewebe unterscheiden. Deswegen werden bis heute nur Personen miteinander transplantiert, die einen ähnlichen Gewebetyp haben. So ist die Abstoßung nach der Transplantation deutlich geringer. In den 60er Jahren begannen die ersten Entwicklungen, um ein Medikament gegen die Abstoßung zu entwickeln.

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Medikamente unterstützen die Transplantationen 

Bereits vor 1960 wurden den Patienten Kortison und Azathioprin gegeben. Den Durchbruch brachte aber das Medikament Ciclosporin, das die Abstoßung des transplantierten Organs gezielter unterdrückt. Im Jahr 1984 kam dann ein weiteres Medikamt hinzu namens Tacrolimus, dass die Unterdrückung vollkommen unterstützt.

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Der Spender

Die Strategie für bessere Transplantationen bleibt dabei, Spender und Empfänger zu finden, die einen ähnlichen Gewebetyp haben. Um das zu erreichen, wurden Organisationen gegründet. Da die Zahl der Organe weit unter der Zahl der wartenden Patienten liegt, bestimmen weitere Kriterien, wer auf einer Liste ganz vorne steht und wer länger warten muss.

Die Techniken und Medikamente der Transplantationen sind weit fortgeschritten. Was leider heute fehlen, sind die Spender. Deswegen möchten wir Menschen animieren, Organspender zu werden und alle Fragen zu beantworten, die dabei auftreten.

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Welche Organe können transplantiert werden?

Am bekanntesten sind wohl die Organe: Leber, Herz, Lunge und Niere.

Allerdings ist das noch lange nicht alles, das transplantiert werde kann. Auch Gehörknöchel, Dünndarm, Bauchspeicheldrüse, Haut, Sehnen, Herzklappen, Knochen und Knochenmar wie auch Augenhornhaut gehören dazu. Dabei handelt es sich unter anderem um sogenannte Gewebespenden.

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Transplantationen

Beschwerden bei Herzerkrankungen:

Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Leistungsschwäche bei stärkerer Belastung, später auch bei Alltagsbelastungen, am besten bemerkbar beim Treppensteigen und längeren Strecken.

Es entsteht zuerst ein leichte, später stärkere Luftnot bei Anstrengungen, die zum Pausieren zwingt.
Schließlich kann Luftnot auch in Ruhe auftreten und mit einem trockenen Husten verbunden sein.

Die Nachtruhe ist gestört durch häufiges Wasserlassen.
Das flache Liegen ist nicht mehr möglich, es werden mehrere Kissen zur Erhöhung des Oberkörpers benötigt.

An den Unterschenkeln treten Schwellungen auf, der Grund für schnelle Gewichtszunahme von mehreren kg in wenigen Tagen.

 

Wenn all diese Methoden nicht zum Erfolg führen,
ist die letzte aber effektivste Therapie die Herztransplantation.

Da sehr viele Patienten auf der Warteliste für eine Herztransplantation stehen, werden umfangreiche
Forschungsaktivitäten auf das Kunstherz
gerichtet.
Durch die chirurgischen Methoden zur Verbesserung
der Herzschwäche konnte vielen Patienten die Transplantation erspart werden

Mögliche Ursachen:

Herzmuskelschwäche - Herzinsuffizienz - Kardiomyopathie

Eine Herzmuskelschwäche hat vielfältige Ursachen,
wie:

  • Zustand nach Herzinfarkt
  • angeborene oder erworbene Herzklappenfehler
  • lange Jahre bestehender Bluthochdruck
  • rheumatische oder bakterielle Herzmuskelentzündungen
  • familiär auftretende Herzmuskelerkrankungen,
    die auch als Kardiomyopathien bezeichnet
    werden, deren Ursache aber noch nicht bekannt sind
  • das Alter ganz allgemein
  • Alkoholmissbrauch und Drogen

Diagnose:

  • EKG
  • Röntgen-Thorax
  • Echokardiogramm
  • Herzkatheteruntersuchung

Therapie:

Wenn die Diagnose gestellt ist, wird mit Allgemeinmaßnahmen wie Kochsalzrestriktion, körperlicher Schonung, Gewichtsregulierung versucht, Linderung der Beschwerden zu erzielen.
Aber die medikamentöse Therapie ist in jedem Fall zusätzlich erforderlich.

Es werden Medikamente eingesetzt, die eine herzstützende, herzentlastende, wassertreibende
und ökonomisierende Wirkung auf das Herz entfalten.
So kann ein herzschwacher Patient über Jahre auf einem bestimmten Leistungsniveau stabil gehalten werden.
Dabei ist die Mitarbeit des Betroffenen wichtig, das empfohlene gesundheitsgerechte Verhalten
muss beachtet werden, die Medikamenteneinnahme
muss zuverlässig erfolgen und die persönliche Kontrolle von Gewicht, Puls und Blutdruck sollte regelmäßig vorgenommen und dem Arzt vorgelegt werden.

Wenn all diese Maßnahmen nicht zum Erfolg führen und kein lebenswertes Leben ermöglichen, sollte der Herzchirurg eingeschaltet werden, denn die modernen Methoden der Herzchirurgie haben gerade auf dem Gebiet der Herzschwäche in den letzten Jahren große Erfolge erzielt.


Lungentransplantation:

Die erste Lungentransplantation führte Prof. J. Hardy im Jahre1963 in den USA durch, aber erst nach Einführung neuer Medikamente gegen die Organabstoßung Ende der 80er Jahre fand die Methode größere Verbreitung. Weltweit unterzogen sich bisher über 14.000 Menschen einer Lungentransplantation, in Deutschland werden jährlich ca. 250 Lungen verpflanzt. Diese Zahl steigt stetig an, da auch der Bedarf ständig wächst.

Welche Erfolgsaussichten hat die Lungentransplantation?

Die Gefahren der Lungentransplantation liegen zum einem in den großen Eingriff selbst, in viel stärkerem Maße jedoch in der Abstoßung der fremden Organs und der hohen Infektionsneigung. Fast 20% der Patienten versterben im ersten Jahr, nach 5 Jahren lebt noch gut die Hälfte der Patienten. Insgesamt werden die Ergebnisse durch wachsende Erfahrung der Zentren und effektivere Medikament jährlich besser. Die Statistik sagt jedoch wenig über den individuellen Erfolg aus. Für die meisten Patienten ermöglicht die Transplantation ein neues Leben mit deutlich verbesserter Lebensqualität. Einige Patienten leben bereits länger als 10 Jahre mit ihrer neuen Lunge.

Welche Patienten kommen für eine Lungentransplantation in Frage?

Die Entscheidung für einen Organersatz fußt auf folgenden Überlegungen.

  • Es liegt ein chronisches Lungenversagen vor, das mit konservativen medizinischen Maßnahmen nicht abzuwenden ist.
  • Es bestehen keine anderen schwereren Krankheiten, die Lebenszeit oder Lebensqualität begrenzen.
  • Der Patient ist jung und kräftig genug, die schwere Operation durchzustehen.
  • Der Patient ist psychisch stabil und findet hinreichend Unterstützung in seinem sozialen Umfeld

Wie wird die Transplantation vorbereitet?

Fällt die Entscheidung zugunsten der Lungentransplantation, wird der Patient bei der Europäischen Datenbank Eurotransplant in Leiden angemeldet. Dort laufen alle Daten der Organspender und Empfänger zusammen, so dass ein optimal passendes Organ ausgewählt werden kann. Passend heißt: Blutgruppengleich, passende Größe und passendes Alter. Vom Tage der Akzeptanzbestätigung aus Leiden sollte der Patient jederzeit erreichbar sein, denn im Falle eines Organangebotes besteht nur ein kurzes Zeitfenster von wenigen Stunden. Die durchschnittliche Wartezeit auf ein Organ beträgt derzeit etwa 2 Jahre. Verschlechtert sich der Zustand des Kandidaten zu rasch, kann eine Dringlichkeit nach Prüfung der Unterlagen durch internationale Experten zugestanden werden. In diesem Falle verbleibt der Schwerkranke bis zur Transplantation in der Klinik.


Lebertransplantation

Die Lebertransplantation ist heute eine erfolgreiche Behandlung für Patienten mit chronischem oder akutem Leberversagen, die nur durch eine Transplantation überleben können. Versuche, die Funktion der Leber zeitweise zu ersetzen, sind derzeit in der klinischen Erprobung (künstliche Leber).

Mögliche Ursachen:

Die meisten Patienten auf der Warteliste leiden an einer alkoholbedingten Fibrose und Sklerose der Leber(Quelle:dso). Andere Ursachen des Leberversagens können sein:

  • angeborene Gallengangatresie als häufigste Indikation für eine Lebertransplantation im Kindesalter

  • Leberzirrhose, hervorgerufen durch

    • Hepatitis B, C oder D
    • Autoimmunhepatitis
    • Primär biliäre Zirrhose (PBC)
    • Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
       
  • Stoffwechselerkrankungen
  • olyzystische Degeneration
  • udd-Chiari-Syndrom
  • eberkrebs
  • ulminantes Leberversagen (Beispiele: Knollenblätterpilzvergiftung, Paracetamolvergiftung, fulminante Virushepatitis) eonatale Hämochromatose

Die Transplantation
Nachdem ein passendes Spenderorgan gefunden wurde, muss das Organ muss innerhalb von 16-24 Stunden nach der Entnahme in den Körper des Empfängers verpflanzt werden. Anderenfalls lässt die Funktionsfähigkeit der Leber nach.

Damit keine Zeit verloren geht, laufen die Entnahme des Organs und die Vorbereitung des Empfängers parallel. Sollte sich dabei zeigen, dass die Leber geschädigt ist, kann es passieren, dass die Transplantation abgebrochen wird, und der Patient wieder nach Hause fährt.

Es gibt verschiedene Varianten der Lebertransplantation: Welche in Frage kommt, entscheiden die behandelnden Ärzte.

Bei der Lebersegment-Lebendspende wird ein Teil der Leber entnommen und dem Empfänger als Ersatz für die erkrankte Leber übertragen.

Bei einer postmortalen Spende kann die Leber geteilt werden (Splitleber). Das kleinere Segment wird einem Kind transplantiert, das größere meist einem erwachsenen Empfänger.

Nach der Transplantation erfolgt, wie bei anderen Transplantationen auch, die Nachbehandlung durch die jeweilige Transplantationsambulanz. Dabei ist es wichtig, ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen, denn die Nachbehandlung umfasst nicht nur die körperlichen, sondern auch die seelischen Probleme, die eine solche Operation meistens mit sich bringen.